Oldtimer als sinnvolle Wertanlage?

Oldtimer als sinnvolle Wertanlage?

Oldtimer statt Zinsen – der boomende Wertemarkt

Das „H“ und die Zustandsklasse sind entscheidend damit ein Auto als Oldtimer zugelassen wird. Es steht seit 1997 für die Kennzeichnung von Oldtimern, die zum Zeitpunkt der Beantragung dieses Kennzeichens auf mindestens 30 Jahre Autoleben verweisen können. Damit zählen Oldtimer zum schützenswerten automobilen Kulturgut. Rund 650.000 Autos umfasst dieser Markt alleine in Deutschland. Mit Umsätzen von rund 2,6 Milliarden Euro ist er damit ein Schwergewicht der Branche. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Rechnet man die sogenannte Youngtimer-Szene hinzu, werden sogar knapp sechs Milliarden Euro Umsatz erreicht. (Quelle: Steenbuck Automobiles)

Die Einflüsse der Wertermittlung eines Oldtimers

Jeder Verkäufer eines Oldtimers möchte einen möglichst hohen Preis erzielen. Allgemeine Voraussetzung für die Wertermittlung des aktuellen Marktwertes hängt dabei von bestimmten Punkten ab, die sich aus einem entsprechenden Gutachten ergeben. Entscheidend für Sachverständige ist zunächst die möglichst komplette und nachvollziehbare Historie des Fahrzeugs, zu denen auch die verfügbaren Unterlagen zählen. Im zweiten Schritt geht es um den äußeren Zustand, wobei auch die Lackierung bewertet werden muss. Im dritten Schritt geht es dann um den technische Zustand. Dieser rückt in den meisten Fällen in den Mittelpunkt der Beurteilung. Um sich ein genaues Bild zu machen, wird der Innenraum des Motors ebenso penibel begutachtet, wie sämtliche Bauteile rund um das Fahrzeug. Schlussendlich ergibt sich aus den Kriterien Originalität, Funktion, Erhaltungszustand sowie der Festlegung der Zustandsklasse die abschließende Wertermittlung.

Für die Kategorisierung innerhalb des Bewertungssystems werden als Basis eine von insgesamt fünf Zustandsklassen festgelegt. Dabei unterscheidet der Gutachter die folgenden Definitionen:

  • Die höchste Bewertung in der Zustandsklasse 1 erzielen makellose Oldtimer-Fahrzeuge ohne Mängel, Gebrauchsspuren oder Beschädigungen.
  • Eine fach- und sachgerechte Restaurierung mit gutem Zustand sowie leichten Gebrauchsspuren wird in die Leistungsstufe 2 einsortiert.
  • Kleinere Mängel plus ein gebrauchter Zustand, der jedoch die Verkehrssicherheit dokumentiert, ergeben eine Einstufung in die Zustandsklasse 3.
  • In der Zustandsklasse 4 befinden sich Fahrzeuge mit deutlichen Verschleißzuständen und dem Hinweis auf eine durchzuführende Instandsetzung. Das Fahrzeug wäre dennoch fahrbereit.
  • Ist der Oldtimer aufgrund seines schlechten Zustands nicht einmal fahrbereit, wird dies durch die Zustandsklasse 5 dokumentiert. Das Fahrzeug sollte zudem dringend einer Wartung unterzogen werden, wenn nicht sogar eine Komplettrestaurierung durchgeführt werden müsste.

Damit ein Auto als waschechter Oldtimer betitelt werden kann und auch das „H“ Kennzeichen tragen darf, muss er mindestens die die Zustandsklasse 3 eingeordnet werden. Zudem muss das Fahrzeug weitgehend original sein oder aber mit dem entsprechenden originalen Zubehör restauriert worden sein. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt wurden darf das „H“

HAGI-Index für Oldtimer beziffert die Verkaufspreise

Das Kürzel HAGI steht für Historic Automobile Group international. Das Unternehmen hat einen Maßstab zur Beurteilung von Oldtimern und ihren Werten entwickelt. In der Datenbank sind mehrere tausend Oldtimermodelle mit ihrem damaligen Neupreis und ihren aktuellen Handelspreisen erfasst. Die Datenbasis wird täglich aktualisiert. Dadurch kann jeden Tag die Preisentwicklung beobachtet werden. Entscheidend sind die Regeln der Finanzmärkte, die zu den publizierten Preisen führen. Da kann ein sternbewehrter 300 SL durchaus einen Kaufpreis von 2,2 Millionen Dollar erzielen, in einer Aluminium-Ausführung sogar 4,6 Millionen Dollar. Durchschnittswerte zwischen 100.000 und 700.000 Euro aber sind für entsprechend gepflegte Oldtimer-Fahrzeuge durchaus realistisch.
Und doch gibt es Unterschiede. Der Markt ist ständig in Bewegung, die Nachfrage bestimmt die Preisentwicklungen. Das gilt für Porsche, Ferrari-Fans & Co. gleichermaßen. Was auch an den Wertsteigerungsraten erkennbar ist. Die Spannbreite kann durchaus nur 18, dann wieder 30 oder gar 190 Prozent betragen. Sie dürften mit dem Wegfall der Handelsbeschränkungen in China sogar noch deutlicher ausfallen. Die dortigen Investoren lagern ihre Oldtimer derzeit immer noch in extra angekauften Hallen innerhalb Europas zwischen.

Laien sollten Vorsicht walten lassen

Den Kauf eines Oldtimers ausschließlich aus Gründen eines erwarteten hohen Wertzuwachses zu planen, kann sich für Laien aber auch für Kenner, schnell als Einbahnstraße entpuppen und ist auch nicht empfehlenswert. Auch wenn die Nachfrage ständig steigt und die gutachterlichen Wertermittlungen an Bedeutung zulegen, ist ein gesundes Misstrauen dennoch angebracht. Ein Oldtimer ist sicherlich eine Wertanlage, doch niemand weiß, wie sich der Preis in zwei Jahren entwickelt. Vielleicht ist dann dieses eine Modell plötzlich „out“ und der Preis massiv gefallen. Soll der Kauf eines Oldtimers jedoch eine Wertanlage darstellen, so sollte der nächste Punkt auf jeden Fall beachtet werden. Man sollte sich nicht unbedingt auf die Entwicklungen von Sammelbarometern, wie HAGI oder DOI (Deutscher Oldtimerindex) verlassen, die oftmals die tatsächliche Marktsituation verzerrt darstellen. Vielmehr sollte zur Entscheidung über das Contra oder Pro Oldtimer stets das realistische Gutachten eines Sachverständigen herangezogen werden. Zudem wäre zur weiteren Absicherung noch auf eine sogenannte Beschaffenheitsgarantie nach $ 443 BGB zu achten.

 

Dienstleistungen rund um Oldtimer übernehmen Profis

Die Finanzmärkte haben auf Grund der Niedrig- und Strafzinsphase einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung des Oldtimer-Marktes beigetragen. Einige wenige der „alten Schätzchen“ sind längst zu Sachanlagen gut Betuchter geworden. Sie versprechen sich vom Kauf eines Oldtimers eine entsprechend hohe Wertsteigerung. Ob diese eintrifft bleibt abzuwarten. Aber auch Werkstattprofis verdienen in der Zwischenzeit kräftig mit. Sogar Hersteller, von Audi bis VW, entdecken die Traditionspflege, bauen Kompetenzzentren auf, etwa um die wichtige Versorgung mit Ersatzteilen sicherzustellen. Selbst Bugatti hat längst eine eigene Klassik-Abteilung aufgebaut. Klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, ist es aber nicht.

Beispiel Brabus. Bekannt als Edeltuner, hat man in Bottrop die stolze Summe von 3,5 Millionen Euro für die Errichtung eines Oldtimer-Werkes in die Hand genommen. Interessenten können dort aus bis zu 100 Old- und Youngtimern von Mercedes Benz wählen, die von den Spezialisten liebevoll bis zur letzten Schraube restauriert wurden.
Auch Mercedes und Porsche erarbeiten sich ihren Anteil an den Klassikern. Mit Reparaturen und Restaurierungen füllen sie speziell eingerichtete und ausgestattete Werkzentren, deren Bedeutung steil nach oben zeigt. Was sie alle erreichen wollen ist klar. Voll restaurierte Oldtimer im Neuwagenzustand sind gefragt, praktisch weltweit.

Damit eine Restaurierung nicht aus dem Ruder läuft

Autoinspektionen oder Unfallschäden können mitunter beträchtliche Geldsummen erfordern. Die Restaurierung von Oldtimern hingegen spielen jedoch in einer ganz anderen Liga, in der sechsstellige Summen durchaus an der Tagesordnung sind.
Gut sichtbar wird diese Tatsache am Beispiel eines Mercedes Flügeltürers aus dem 50er Jahren. Bei diesem Fahrzeug ist im Werk 4 der Stuttgarter durchschnittlich mit wenigstens 2.000 Arbeitsstunden zu rechnen. Auf aktuell 249.000 Euro Einheitspreis käme die wenigstens ein Jahr dauernde Restaurierung des Typs Mercedes „Pagode“.
Ähnliches offeriert Porsche für einen Ur-Elfer aus den Jahren 1963 bis 1973. Alleine rund 700 Arbeitsstunden werden alleine für Karosseriearbeiten veranschlagt. Die Stundenpreise variieren zwischen 105 bis 125 Euro, zusätzlich berechnet werden die notwendigen Ersatzteile oder -arbeiten. Wobei das Classic-Ersatzteillager mehr als 52.000 Einzelpositionen bereithält.
Es sind vor allem die handwerklichen Leistungen von Karosseriebauern, Sattlern oder Motorspezialisten, die die allgemeinen Kosten der Restaurierung zusätzlich in die Höhe treiben. Es entspricht schließlich den Wünschen der meisten Oldtimer-Fans, ihr Fahrzeug müsse am Ende dem ursprünglichen Original entsprechen.

Top-10 der deutschlandweit aktuellsten Oldtimer

Die folgende Liste ist nicht als Wertung der Beliebtheit zu verstehen und sie ist erst recht nicht komplett. Aber es gibt sie natürlich, jene Oldtimer, die bei Interessenten in Deutschland hoch im Kurs stehen. Auf Platz zehn landet der Karmann Ghia, der 2012 mehr als 2.300 Zulassungen verbuchen konnte. Nicht fehlen darf ein Alfa Romeo Spyder: Platz neun mit 2.368 Zulassungen. Der BMW 02 erreicht Platz acht mit rund 2.750 bestätigten Zulassungen. Ähnliche Zahlen wirft der Opel Rekord/Olympia in die Waagschale, er landet auf Platz sieben. Der H-Oldie Mercedes W 108 schafft Platz sechs auf der Beliebtheitsskala, sein Mitbewerber auf dem fünften Rang ist eine Mercedes S-Klasse der W 116-Reihe.
Mit über 3.300 Zulassung schafft der Opel Kadett den vierten Rang. Auf noch einmal eintausend mehr registrierte Oldtimer-Fahrzeuge kann der beliebte VW Bulli auf Rand drei verweisen, wird mit knapp 5.000 Zulassungen jedoch von der Mercedes Heckflosse auf Platz zwei überholt. Der Spitzenplatz in dieser Liste gebührt mit rund 6.500 Zulassungen einem Zuffenhausener, gemeint ist ein Porsche 911/912 und dafür gibt es noch einen: „Herzlichen Glückwunsch!“ Was noch erwähnenswert wäre? Oldtimer spielen auf dem PKW-Gesamtmarkt nur eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil am großen Kuchen beträgt nämlich „nur“ rund 0,6 Prozent.

 

Quellen:

  1. http://www.zeit.de/mobilitaet/2015-01/oldtimer-preise/seite-2
  2. http://www.historicautogroup.com/?page_id=414
  3. http://www.gevestor.de/details/premium-oldtimer-als-geldanlage-so-laeuft-der-markt-778782.html
  4. https://www.lexicar.de/portal/note-2-oder-3-was-verbirgt-sich-hinter-den-zustandsnoten.html
  5. https://www.motor-talk.de/news/teure-sterne-aus-dem-pott-t4890165.html

Kommentare (1)

  1. Ein Bekannter hat einen alten 2000er BMW aufgearbeitet. Da er die Sitze nicht selbst erneuern konnte, hat er eine Polsterei damit beauftragt. Durch Fachwissen konnten die Sitze wieder in die Originaloptik wiederhergestellt werden.

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